20 Jahre im Bauwesen - und die Suche nach einer besseren, nachhaltigeren Art zu bauen

Im Sommer 2005 habe ich meine Lehre als Maurer begonnen – es war der Traum meiner Kindheit. Die grösste Herausforderung war damals, die Vorstellung des fertigen Ergebnisses in präzise Handbewegungen umzusetzen. In den praktischen Kursen im Bildungszentrum trainierten wir diese Genauigkeit: Eine Toleranz von nur 1 mm war erlaubt – und wer darüber lag, bekam keine Bestnote.

Nach der Lehre wurde mir klar, wie körperlich anspruchsvoll dieser Beruf ist. Ich gönnte mir ein Jahr Berufsmaturität, später folgte der Militärdienst als Baumaschinenführer. Diese zwei Jahre gaben mir Zeit, über meine Zukunft nachzudenken. Zunächst entschied ich mich für ein Architekturstudium – doch nach sechs Monaten fehlte mir die Praxis. Also machte ich die Weiterbildung zum Hochbautechniker und übernahm Führungsrollen bei Bauunternehmen. Dabei war ich das Bindeglied zwischen den Plänen der Architekten und der Umsetzung durch die Handwerker. Das erforderte nicht nur technisches Wissen, sondern auch viele ehrliche Gespräche auf Augenhöhe mit allen Beteiligten.

Trotz dieser guten Mischung aus Verantwortung und Baustellenarbeit stimmte die Bauweise für mich oft nicht: Die Ansprüche seitens der Planer waren zu hoch, die Termine zu knapp und die Budgets zu niedrig. Der Druck landete immer bei den Bauarbeitern. Ich habe in dieser Zeit gelernt, wie wichtig es ist, alle Projektbeteiligten mit Respekt und Ehrlichkeit zu behandeln. Doch gleichzeitig fragte ich mich: Kann man nicht anders bauen?

Über die Prinzipien der Baubiologie fand ich zu einer Nische, in der ich wieder Überzeugungsarbeit leisten musste – etwas, das mir bereits vertraut war. Ich übernahm weitere Planungsfunktionen als Fachexperte, aber nicht alle Projekte fühlten sich sinnvoll an. Deshalb machte ich mich selbstständig, organisierte freiwillig Besichtigungen und zeigte anderen, dass es Alternativen gibt – einfache, umweltfreundliche und funktionierende Lösungen.

Heute versuche ich, Teilnehmende, Referierende und Interessierte in Situationen zu bringen, in denen wir gemeinsam Neues entdecken und voneinander lernen können. Meine Erfahrung als Bauführer, Bauphysiker und Netzwerker setze ich gezielt ein, um nachhaltige Ideen voranzubringen, Kooperationen zu fördern und Projekte zu entwickeln, bei denen Kreativität, Gesundheit und Nachhaltigkeit im Mittelpunktstehen.

Mit Kouto AlternativeBuilding und collettivo urbano habe ich die Freiheit, mich an Projekten zu beteiligen, die zu meinen Werten passen, und mit Planern und Handwerkern zu arbeiten, die diese Vision teilen. So schaffen wir gemeinsam Lösungen, die nicht nur heute, sondern auch in Zukunft Bestand haben.

Datum
08/2025
Autor
Jordan Kouto
Co-Autoren
Auftraggeber
Literatur zum Thema
Anhang